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Andere Menschen interpretieren

Bei einem Blick auf die Körpersprache finden sich viele Anzeichen, die uns genau zeigen, in welcher Art von Stimmungslage sich eine Person befindet. Ist die Person entspannt? Ist sie interessiert oder eher gelangweilt? Wir sehen ganz klar, ob ein Mensch positiv oder negativ gestimmt ist. Allerdings interpretieren wir sehr schnell zu viel. Es werden ganz gern Inhalte auf eine Person übertragen, die allerdings nichts mit dem zu tun haben, was ein Mensch denkt. Ganz speziell Zusammenhänge dürfen keinesfalls hergestellt werden.

Die Haltung der Arme

Jeder Mensch weist eine ganz eigene Haltung auf. Diese steht auch mit dem Fitness-Zustand eines Menschen in Verbindung. Manche Menschen stehen lieber locker, andere besitzen aber den Wunsch

  • etwas zu greifen,
  • sich an einer Tasche festzuhalten oder
  • sogar die Arme zu verschränken.

Die Haltung der Arme mag irreführend sein. Sie deutet meist auf einen grundlegenden Zustand hin. Nicht jeder Mensch fuchtelt aktiv mit den Armen, um seine Emotionen zu zeigen. Vielleicht sind sie auch immer nur verschränkt. Die meisten Menschen haben gelernt still im Raum zu stehen. Ein Blick auf den gesamten Körper ist daher oft hilfreich.

Die Körperhaltung

Untrainierte Menschen wirken meist sehr entspannt und nicht unbedingt immer in gerader Haltung. Oft wirken sie in ihrem körperlichen Ausdruck passiv und sind aus diesem Grund nicht immer einfach zu interpretieren. Bei solchen Körperstellungen entsteht schnell ein meist wenig interessierter Ausdruck. Dann müssen auch die Gesichter sehr genau betrachtet werden. Dann ergibt sich ein weitaus deutlicherer Ausdruck von Emotionen oder von Gefühlshaltungen. Und sollte ein Mensch eher undurchsichtig erscheinen, dann fragen wir die Person besser. Unbedingt sollten wir nicht nur eine Ableitung der äußeren Erscheinung.

Ein sportlicher Mensch steht aber möglicherweise immer in einer Anspannung vor uns. Und trotzdem ist der Mensch nicht interessiert an unserem Produkt oder an dem, was wir gern erzählen möchten. Sicherlich hilft uns daher weniger die Gesamthaltung einer Person, aber dafür die Haltung des Kopfes. Zumindest der Kopf kann viel verraten. Zeitweise hilft sicherlich auch der Gesamteindruck, doch ist der Kopf meist der einzige aktive Teil eines Körpers. Hängt der Kopf mit Unmut herunter? Liegt der Kopf zweifelnd auf der Seite?

Wo liegt die Gefahr einer Fehlinterpretation?

Wir befinden uns jeden Tag in einer anderen Stimmungslage. Vielleicht haben wir aber eine fröhliche, neutrale oder traurige Grundhaltung. Manche Dinge kann man sehen, aber doch gibt es Inhalte im Leben eines Menschen, von denen wir nichts wissen. Wie könnte sich ein Mensch gerade fühlen?

  • Es kommt zu positiven und negativen Einflüssen,
  • wir haben gerade Hunger und sind aber nach dem Essen voll aufmerksam,
  • wir haben schlecht geschlafen,
  • der Körper ist gerade dehydriert oder
  • wir befinden uns in einer Liebeskummerphase.

Es gibt so viele Möglichkeiten, wie ein Mensch in seinen Lebenslagen wirken kann.

Interpretationen sind also gefährlich. Im Kontakt mit anderen Menschen können wir besonders viel lernen. Immerhin ist es gut zu wissen, dass viele Menschen sich gegenüber fremden Menschen neutral geben und sich darum bemühen, ihre privaten Stimmungslagen zu verdecken. Ein Mensch ist also nicht offen, wie ein Buch. Je besser wir eine Person kennen, desto mehr wird von der Person entdeckt und kann gut erkannt werden. Bei fremden Menschen müssen wir jedoch mit viel Vorsicht Schlussfolgerungen machen.

Vielleicht wirkt ein Mensch heute so, aber er ist am nächsten Tag wie ausgewechselt.

Und einmal ganz ehrlich, in unserem Land tragen viele Menschen einen miesepetrigen Gesichtsausdruck, obwohl sie sich doch aber ganz gut fühlen. Einen freudigen Gesichtsausdruck muss mancher Mensch vielleicht erst lernen.

„Dieser Mensch denkt jetzt….“???

Keinesfalls sollten wir einen Zusammenhang zwischen unserem Eindruck und den Gedanken eines Menschen herstellen.

Allein schon die Sprache eine Menschen kann so falsch verstanden werden, dass echte Katastrophen entstehen. Eine Person äußert einmal einen Gedanken und so mancher Mensch denkt, dass diese Person jetzt immer diese Einstellung besitzt. Aber ist das denn so richtig? Viele Gedanken werden in einer Stimmungslage geäußert oder die Meinungen und Einstellungen verändern sich.

Jeder Mensch unterliegt zahllosen Einflüssen von außen und ist bestimmt kein geschlossenes System.

Dies vergessen wir ganz gern und auch zu schnell. Wichtig ist es aus diesem Grund zu sehen, dass ein Mensch sicherlich auch nicht das denkt, was wir gerne interpretieren möchten. Jeder Mensch ist ganz eigen und verfolgt selten die Gedanken, die wir solch einer Person zuschreiben. Überschneidungen gibt es aus diesem Grund nicht immer. Wir können richtig danebentippen. Und das ist PEINLICH.

Wenn wir uns etwas ausdenken, was auf eine Person überhaupt nicht zutrifft, dann tappen wir sehr tief in ein Fettnäpfchen. Daher ist es wichtig, die Person lieber zu fragen, was sie zu einem ganz speziellen Sachverhalt denkt. Bestimmt wird nicht in jeder Situation dasselbe gedacht. Das wäre zu einfach. Wir müssen uns schon mehr anstrengen und beachten, dass es viele spannende und wissenswerte Verknüpfungen gibt.

Was hilft uns aus solch einer Misere?

Fragen. Wir müssen Fragen fragen, damit wir annähernd einen Eindruck erhalten, wie es um einen Menschen bestellt ist. Und dabei sollten die Fragen nicht irgendwie gestellt werden. Wer sich fit fühlt, kann eine Person spiegeln. „Sie wirken gerade sehr aktiv auf mich. Möchten Sie nicht unser neues X testen?“.

In vielen Anleitungen für Verkäufer finden wir diese Strategien. Aber noch viel grundlegender sind W-Fragen hilfreich. Warum, wo, wer, wann, weshalb, wohin. Derartige Fragewörter helfen im Umgang mit anderen Menschen. Möchten wir also wirklich eine Schlussfolgerung treffen, benötigen wir viele, viele, viele Informationen.

Quelle:

Richard Bandler, John Grinder: Metasprache und Psychotherapie. Die Struktur der Magie I. Junfermann, Paderborn 1981, (Meta-Modell und Konzept, Original 1975: The Structure of Magic. Band I)

Wahrnehmungstheorien aus Philip G. Zimbardo, Richard J. Gerrig u.a.: Psychologie. Pearson Education Deutschland (Hallbergmoos) 2008. 18., aktualisierte Auflage.