Erfolg,  Zufriedenheit

Ordnung muss sein, oder?

Wusste es nicht schon unsere Großmutter, dass Ordnung das A und O sei? Ohne Ordnung und Struktur würden wir untergehen. Und für die Zukunft müssten wir immer daran denken, das eigene Zimmer ordentlich und sauber zu halten. Sind wir aber bis heute verloren, wenn es nicht so ist? Laut aktuellen Studien ist Ordnung eine Frage, die sich für jeden Menschen anders klärt. Unordnung kann von enormer Kreativität sprechen und es finden sich Menschen, die in ihrer Unordnung den absoluten Überblick besitzen. Es gibt dennoch komplexe Strukturen und exakte Erinnerungen, wo sich die Dinge befinden und wie sich bestimmte Informationen oder Gegenstände wiederfinden lassen. Viele Faktoren spielen eine Rolle, wenn es um die Ordnung geht.

Unsere Ordnung und unsere Gefühle

Ein japanisches Sprichwort besagt, dass die Unordnung im Zimmer der Unordnung im Herzen entspricht. Hieraus leiten wir ab, dass ein emotionales Chaos uns dazu verleitet, uns um nichts mehr in der Wohnung zu kümmern. Dabei würde es uns sogar besser gehen, wenn es mehr Ordnung gäbe. Menschen mit psychischen Problemen, deren Unordnung im Herzen besonders groß ist, könnten sogar bis hin zu einem Vermüllungs-Syndrom hin krank sein. Dieses Extrem steht jedoch mit weiteren Erkrankungen in Zusammenhang.

Diese Form von Unordnung beinhaltet zugleich auch eine Verlustangst. Ein Gegenstand trägt einen besonders hohen Wert und wird daher nicht aussortiert. Es könnte ein Verlust stattfinden, der zum Horten vieler Dinge führt. Unordnung kann bedeuten, dass wir einfach zu viele Dinge ansammeln. Eine Unordnung kann aber auch bis hin zu einer schizophrenen Erkrankung ungewöhnlich sein. Ein Mangel an geeigneten Strukturen mag zu einer Unordnung führen, doch ist dies nicht die alleinige Ursache.

Ordnung als Pflicht?

Es gibt eine Studie von Philip Zimbardo, die aus dem Jahr 1969 stammt. Diese Studie wurde in zwei Stadtteilen durchgeführt und zielte auf Beobachtungen zur gesellschaftlichen Ordnung ab. Im Versuchsaufbau wurden in einer ordentlichen Kleinstadt und in der New Yorker Bronx Beobachtungen angestellt. Im Versuch wurde ein Auto präpariert abgestellt. Dabei wurden etwa die Nummernschilder entfernt und die Motorhaube geöffnet. In der Bronx wurde das Auto bereits nach kurzem Warten demoliert und zerlegt. In der ordentlichen Kleinstadt blieb das Fahrzeug stehen und sogar die Motorhaube wurde geschlossen.

Erst als die Scheibe zusätzlich zerschlagen wurde, hatte man beobachtet, dass das Fahrzeug ebenso demoliert wird. Diese Studie impliziert zahlreiche weitere Beobachtungen. Hierbei geschieht etwas im Rahmen unterschiedlicher sozialer Schichten. Dies bedeutet keineswegs, dass Ordnung oder gesellschaftliche Ordnung allein von Armut und Reichtum bedingt werden. Selbstverständlich sind auch Menschen mit einem weniger guten Einkommen sehr ordentlich. Es besteht auch kein Zusammenhang zwischen besonders guter Ordnung und großem Reichtum. Folglich scheint Ordnung mit anderen Faktoren in Zusammenhang zu stehen. Vielleicht hängt es ja mit Faulheit und Fleiß zusammen?

Wohlbefinden durch Strukturen

Ordnung und Strukturen sind nach japanischer Denkweise ein Zeichen einer beruhigten Seele. Ein Mensch scheint sich wohler zu fühlen, wenn mehr Ordnung besteht. Aktuelle Studien belegen jedoch auch, dass überaus kreative Menschen eher zur Unordnung neigen. Oft haben wir einfach auch keine Zeit und keine Energie mehr, wenn es um die Ordnung geht. Es scheint aber doch möglich zu sein, mehr Wohlbefinden zu erzeugen, wenn eine gewisse Struktur vorhanden ist.

Manche Menschen haben Freude an Ordnungskisten und vielen praktischen Aufbewahrungshelfern. Diese vereinfachen eine bessere Zuordnung zu gewissen Themen oder Unterbereichen. Sicherlich muss es nicht wie in einem Möbelhaus aussehen, doch macht es bestimmt Sinn, zumindest ab und an ein wenig aufzuräumen.

Ordnung aufschieben

Sollten wir Zeit haben und dennoch nicht die wichtigen Aufgaben anpacken, dann mag dies an der berühmten Aufschieberitis liegen. Der Fachbegriff in der Psychologie lautet Prokrastination. Wir schieben etwas auf, wenn wir es vielleicht nicht mögen oder wenn wir Blockaden haben, die uns daran hindern, uns mit einer Sache zu beschäftigen.

Philip Zimbardo hat mitunter ein berühmtes Werk zum Zeitmanagement verfasst, unter vielen Werken und Veröffentlichungen. Hieraus stammt ein Zitat zur Prokrastination.

Philip Zimbardo sagt hier

„People in life do not regret what they did, but what they did not“.

Eine grundlegende Empfehlung aus der Psychologie ist, klein anzufangen und sich schrittweise an Probleme zu nähern. Ob nun in der Behandlung von Traumata oder in anderen Feldern der Psychologie, eine Vorgehensweise erfolgt stets von Schritt zu Schritt. Sollten wir Ordnung also wirklich nicht mögen, dann ist es vielleicht sinnvoll nicht einen Tag auszuwählen, an dem Ordnung ein unliebsames Thema ist.

Sinnvoller ist es sicherlich zu entscheiden vielleicht täglich eine einzelne Minute oder vielleicht auch einen persönlich gewählten Zeitraum der Ordnung zu widmen. Schon bald werden wir sehen, dass sich so manche Zustände stückweise bessern. Viele Autoren, die Werke zur Ordnung verfassen, verfolgen ebenso diesen Grundsatz aus der Psychologie. Eine Hilfestellung bei ernsten Schwierigkeiten sollten wir in Erwägung ziehen, falls wir der Lage nicht mehr Herr werden. Solch eine Hilfestellung ist per Telefon, E-Mail oder auch direkt möglich.

Der persönliche Wohlfühlfaktor

Hiermit ist jedoch nicht gemeint, dass ein vollständiger Wohnraum am Tag nur eine Minute Beachtung finden soll. Vielleicht bleibt aber eine Minute übrig, um Briefe zu sortieren oder den Kleiderschrank aufzuräumen. Eine Vorgehensweise sollte nicht unbedingt vorgeschrieben werden.

Es macht sicherlich Sinn, wenn wir mit unseren eigenen Methoden vorgehen und Dinge so strukturieren, wie es uns gefällt. Am Ende ist es wichtig, dass wir uns wieder in unserer Umgebung gut fühlen dürfen. Dazu gehören womöglich ein

  • sauberer Tisch,
  • saubere Wäsche,
  • eine schöne Küche,
  • gemütliche Kerzen oder
  • ein freies Sofa.

Wo Ordnung anfängt entscheiden wir immer noch selbst, doch haben unsere Kultur oder eine gesellschaftliche Ordnung bestimmt einen wichtigen Einfluss.