Ausgeglichenheit,  Selbstbewusstsein,  Selbstverwirklichung,  Selbstwertgefühl,  Soziale Kontakte,  Sucht

Shopping-Sucht als Problem

Das Gehirn funktioniert in vielen Fällen sehr schlicht. Beim Winterschlussverkauf merken wir Frauen es wieder. Und zwar locken die vielen bunten Farben und Formen und eröffnen tausende Möglichkeiten, den eigenen Kleiderschrank wieder aufzupeppen. Der Reiz lullt uns ein und suggeriert uns, dass wir unbedingt neue Kleidung benötigen. Aber weswegen? Der Schrank ist voll. Es gibt sicherlich bereits 6 Blusen, 10 Cardigans und viele, viele Hosen.

Die ersehnte Belohnung

Der Reiz lockt aber nur, weil das Gehirn genau weiß, hier gibt es eine Belohnung. Der Reiz allein wird ja erst zum Reiz, wenn dieser an gewisse Motive gekoppelt ist. Es gibt Reize, die in uns ein Überlebensschema auslösen und es gibt angelernte Reize, die wir mit einer Belohnung verknüpfen. Daher lockt die Mode zum günstigen Preis noch intensiver und wir müssen unsere Vernunftappelle schon viel weiter ausdehnen, um dafür zu sorgen, dass der Finger nicht auf bestellen klickt. Viele neue Möglichkeiten und Abwechslung gegen die Langeweile warten hier bereits.

Insbesondere die Langeweile ist es, die uns oft davon überzeugt, dass etwas Neues kommen muss. So mancher Mensch kauft aber nicht mehr nur normal ein, weil einmal etwas Neues gekauft werden soll. Viele Menschen kaufen und kaufen und kaufen. Sie verlieren die Kontrolle über ihr Verhalten, weil sie sich nach der Belohnung sehnen und die Kontrolle verlieren. Die Mitmenschen unterstützen dieses Verhalten nicht selten. Denn sie belohnen einen Neukauf oft mit einem Kommentar und sie freuen sich ebenso über die Abwechslung bei den Bekannten.

Shopping ist Liebe

Es wird gern verwechselt. Das glückliche Gefühl nach einem Einkauf oder die Zufriedenheit, die sich zunächst einstellt, wird mit einem Gefühl von Liebe verwechselt. Oftmals wird der Einkauf zum Putsch, weil sich jeder in uns nach solch einem warmen und glücklichen Gefühl sehnt. Vielleicht sammeln sich deswegen 20 Hosen, 15 Blusen, 10 Jacken und mindestens 5 Taschen im Kleiderschrank. Eigentlich könnte jeder von uns den Platz noch besser auf andere Weise verwenden.

Das Gefühl von Zufriedenheit oder Liebe verschwindet jedoch recht schnell, sodass man schon einmal öfter einkaufen geht. Zunächst einmal ist es wichtig und sinnvoll diesem Gefühl von Zufriedenheit auf den Grund zu gehen und abzuwägen, wie zufrieden man selbst nach einem Kauf wirklich ist. Es gibt einen Ausweg aus einem Suchtgefühl nach der

  • Belohnung,
  • Zufriedenheit und
  • Liebe

beim Shopping.

Was ist krank daran?

Wissenschaftler haben in einer Studie entdeckt, dass beim Kaufen Endorphine ausgeschüttet werden. Der Körper kann eine Sucht nach den Botenstoffen entwickeln, die der Körper beim Kauf ausschüttet. Kaufsucht kann schleichend kommen und wird teils mit einer Form von Schizophrenie in Verbindung gebracht. Der Zwang immer wieder dieselbe Handlung zu tätigen, mag zu stark werden, wenn der Körper krank ist. Schizophrenie ist aber keineswegs eine schlimme Erkrankung. Sie rechtfertigt auch keineswegs eine Person in ihrer Ganzheit als gestört zu bezeichnen. Es ist in den meisten Fällen ein Teil des Verhaltens oder ein Teil der Gedanken, die in Hinblick auf das Verhalten durch Überlastung geschädigt wurden.

Überlastung ist allgemein eine Bedrohung. Denn eine Überlastung im Alltag und die Suche nach einer Ausflucht sind für uns nicht immer gut zu lösen. Es müsste schon eine Ausflucht vorhanden sein, die tatsächlich einen geborgenen Zufluchtsort verspricht. Daher ist es recht wichtig, dass gegen zuuuuuu viiiiiiiiel Shopping etwas unternommen wird. Es muss ja nicht immer krankhaft sein. Viele Personen, die zu viel kaufen, müssten einfach nur wieder die Selbstbeherrschung erlernen, stopp zu sagen.

Wenn das Einkaufen zur Sucht wird

Eine Stopp-Sequenz muss her. Denn bislang gab es keinen Halt für das Verhalten oder Verlangen, das den Körper übermannt. Das ist der erste essenzielle Punkt. Eine Person, die nicht mehr anhalten kann, sollte nicht unendlich weiterlaufen. Bildlich gesprochen. Vor allem kann kaum ein Konto der Kauflust standhalten.

Viel klüger ist es für die Betroffenen, sich in eine Beratung zu begeben, die ihnen hilft, ihr Verhalten wieder anzupassen und das Kaufen mit einem anderen Verhalten zu ersetzen. Optimal ist dafür auch das Verständnis des sozialen Umfeldes nötig. Denn es kann nicht sein, dass Bekannte und Freunde dann noch weiter zum Shopping animieren.

 

Quelle:

Raab, G.; Unger, F. (2005). Marktpsychologie: Grundlagen und Anwendung. Wiesbaden: Gabler Verlag.